Freude ist keine Belohnung, die kommt, wenn sich alles fügt. Sie ist ein Zustand, den du wählen und üben kannst, und mit der Zeit verändert er mehr, als es scheint.
Die Psychologin Barbara Fredrickson beschrieb das in der Broaden-and-Build-Theorie. Negative Emotionen verengen. Angst sagt flieh, Wut sagt greif an. Positive Emotionen tun das Gegenteil. Freude, Neugier und Ruhe erweitern unser Repertoire an Gedanken und Handlungen. Im Zustand der Freude sind wir offener, kreativer, eher zum Spielen und zur Verbindung mit anderen bereit.
Doch der zweite Teil des Namens ist am wichtigsten. Diese erweiterten Momente bauen dauerhafte Ressourcen auf. Positive Emotionen, regelmäßig wiederholt, entwickeln mit der Zeit Fähigkeiten, Beziehungen, psychische Widerstandskraft und Gesundheit. Eine einzelne Freude vergeht. Wiederholte Freude hinterlässt eine Spur.
STUDIE
In Fredricksons Forschung sahen die Teilnehmenden Material, das verschiedene Emotionen auslöste. Menschen in positiven Zuständen nahmen ein breiteres Bild und mehr Handlungsmöglichkeiten wahr als jene in negativen oder neutralen Zuständen. Daher der Name der Theorie: positive Emotionen erweitern zuerst den Geist, und über die Zeit wiederholt bauen sie dauerhafte psychische und soziale Ressourcen auf.
Fredrickson, B. L. (2001). The broaden-and-build theory of positive emotions. American Psychologist, 56(3), 218-226.
Warum Freude geübt werden muss
Das Gehirn neigt von Natur aus dazu, sich auf Bedrohungen zu konzentrieren. Das schützte einst das Leben, heute vergiftet es es öfter. Deshalb ist Freude manchmal eine Wahl gegen die Voreinstellung. Diese Wahl, täglich wiederholt, trainiert das Nervensystem mit einem neuen Muster, genau wie jeder andere Zustand. Je öfter du bewusst das Gute bemerkst, desto leichter findet dein Geist es von selbst.
Was du jeden Tag stärkst, wird zum Teil von dir.
So verstandene Freude ist kein naiver Optimismus und kein Verleugnen, dass es Schweres gibt. Sie ist die Entscheidung, deine Aufmerksamkeit nicht nur dem Schweren zu geben. Sie ist eine Frage der Wahl, wiederholt, bis sie zur Identität wird.
ÜBUNG · DREI DINGE
Schreibe einmal täglich drei konkrete Dinge auf, die heute gut waren, und seien sie noch so klein. Das ist keine Naivität, sondern Training der Aufmerksamkeit. Nach einigen Wochen fängt das Gehirn an, gute Momente automatisch zu erfassen, weil du das Muster durch Wiederholung gestärkt hast.
Kleidung aus dem Zustand Freude ist eine tägliche Erinnerung an diese Wahl. Ein Signal, dass Freude nicht auf einen besseren Moment wartet, sondern jetzt verfügbar ist, wenn du ihr deine Aufmerksamkeit schenkst.